Verschaffen Sie sich einen ersten Überblick über die Fische der Gattungen der Prachtkärpflinge in der Fotogalerie.
![]() |
Aufgrund der klimatischen Verhältnisse in den natürlichen Verbreitungsgebieten eignen sich Eurasische Killis hervorragend für eine Haltung im Gartenteich, was diese Fische ggf. besonders interessant macht. |
Die Arbeitsgemeinschaft Eurasische Killis befasst sich mit der Haltung und Zucht Eierlegender Zahnkarpfen der Gattungen Aphanius und Valencia. Besonderes Augenmerk wird hierbei auf die Arterhaltung gelegt, da einige Arten oder Populationen in ihren natürlichen Heimatgewässern bereits sehr selten sind bzw. deren natürliches Vorkommen möglicherweise bereits erloschen ist, wie z. B. das von Aphanius apodus.
Leiter der AG Eurasische Arten ist Heiko Kärst:
Heiko Kärst, DKG 271
Ludwig-Erhard-Str. 18
76571 Gaggenau
Telefon: 07225-78369
Email: EMail an den AG Leiter
Zur Dokumentation gibt es eine Vorlage eines Zuchtdatenblattes hier zum Download.
| Das heutige Verbreitungsgebiet der Aphanius erstreckt sich über küstennahe Gewässer des gesamten Mittelmeeraumes, des roten Meeres und des persischen Golfes. Eine Ausnahme hierbei bilden die Balearen. In Nordafrika, wie auch im asiatischen Verbreitungsgebiet werden Fische dieser Gattung auch im Landesinneren angetroffen. Bewohnt werden alle Gewässertypen mit Süß-, Brack-, und Meereswasser, wobei auch das Süßwasser einen großen Anteil an Erdalkalien besitzt, was sich im hohen Härtegrad wiederspiegelt. Gelegentlich werden auch hypersaline Gewässer bzw. solche mit einem hohen Anteil an Sulfaten und Magnesiumverbindungen bewohnt. Alle Heimatgewässer der Aphanius sind jedoch flach, bzw. besitzen flache Uferpartien und sind einer starken Sonneneinstrahlung ausgesetzt. Die Fische sind hier im flachen Wasser, bevorzugt zwischen Wasserpflanzen oder Algen, zu finden. Besonders Jungfische bilden hierbei große Schwärme. | |
![]() |
Der Prokopos-See im Nordwesten des Peloponnes ist Heimat von Aphanius fasciatus. Die Fische halten sich in der Uferzone bzw. in flachen Ausständen des Verbindungskanals zum Meer auf. |
| Fische der Gattung Valencia werden in Ostspanien und im Südwesten der Balkanhalbinsel vom südlichen Albanien bis zum Peloponnes angetroffen. Sie bevorzugen ruhige Abschnitte fließender Süßgewässer, die auch durch Bäume oder andere Ufervegetation vollständig beschattet sein können. | |
![]() |
Ein Fluss in Nordwest-Griechenland. Valencia letourneuxi ist im strömungsarmen Bereich des Flusses (linke Bildseite) zu finden. Bei Gefahr fliehen die Fische in das Gras, welches in das Wasser hineinwächst. |
Bei allen Killis der Gattungen Aphanius und Valencia handelt es sich um lebhafte, schwimmfreudige Fische, die man daher auch in
entsprechend großen Aquarien pflegen sollte. Sie lieben einen dichten Pflanzenwuchs, in den sich die Tiere bei Bedarf
zurückziehen können, der aber auch Laichplatz sein kann und gelegentlich aufkommenden Jungfischen Schutz bietet.
Berücksichtigt man die Tatsache, dass es sich um Fische handelt, die oft in Schwärmen angetroffen werden, empfiehlt es
sich stets eine größere Anzahl an Tieren zu halten. Das Vorhandensein von Artgenossen bietet die Sicherheit des
Schwarmes. Zugleich werden Aggressionen unter den Männchen vermieden. Dieses ist besonders wichtig bei der Haltung von
Aphanius mento und Aphanius iberus. Im Allgemeinem handelt es sich jedoch um ausgesprochen friedfertige Fische,
bei denen die Männchen in harmlosen Auseinandersetzungen ihre Rangordnung abklären. Verletzungen sind hierbei eine
Ausnahme.
Zur Haltung und Zucht eignet sich für die meisten Arten mittelhartes bis hartes Süßwasser. Steht
ausschließlich Wasser mit einer Gesamthärte <10°dGH zur Verfügung, ist ein geringer Zusatz von Meersalz
(ca. 1 Esslöffel/10l) empfehlenswert. Einige Arten bzw. Populationen, die in der Natur Brack- oder Meerwasserbiotope bewohnen
(wie z. B. Aphanius fasciatus, können ohne einen Zusatz von Meersalz nicht gepflegt werden.
Hinsichtlich der Temperatur genügen im Sommerhalbjahr 20 - 25 °C. Höhere Temperaturen schaden den Fischen nicht. Sie
sind dann sogar noch agiler, jedoch ist zu beachten, dass sie dann wesentlich schneller altern und oft nach einem Sommer zur
Vermehrung nicht mehr geeignet sind.
Im Winterhalbjahr sollte die Temperatur deutlich abgesenkt werden, um den Fischen eine ihrer natürlichen Lebensweise
entsprechende Zeit der Regeneration zu bieten. Dieses kann in heutigen modernen Wohnverhältnissen nur bedingt realisiert
werden. Eine Aufstellung der Aquarien in unbeheizten Wohnräumen, Kellern oder Wintergärten bringt in den Wintermonaten
eine Abkühlung auf Temperaturen unter 20 °C mit sich, die im wesentlichen ausreichend ist. Arten die im nördlichen
Teil des Verbreitungsgebietes beheimatet sind bzw. deren Heimatgewässer in Gebieten mit kalten Wintern liegen (kontinantales
Klima), werden auch bei Temperaturen oberhalb von 15 °C noch laichen. Es werden hierbei jedoch deutlich weniger Eier abgelegt
und eine gewisse Regeneration findet dennoch statt.
Ein wöchentlicher Teilwasserwechsel ist empfehlenswert. Insbesondere Fische der Gattung Valencia, die oft aus fließenden
Gewässern stammen, quittieren eine schlechte Wasserqualität mit Flossenklemmen und Krankheit, die unweigerlich zum Verlust
der Fische führt, wird keine Abhilfe geschaffen. Durch eine geringe Besatzdichte, dichten Pflanzenwuchs und Lebendfütterung
kann der Wasserwechsel-Zyklus verlängert werden.
Hinsichtlich der Nahrung sind die Eurasische Killis recht anspruchslos. Es wird jede Form von Lebend- und Frostfutter angenommen,
solange es bezogen auf die Größe gefressen werden kann. Einzelnen Berichten zufolge wird auch Flockenfutter angenommen.
Zu beachten ist, dass die Fische insbesondere bei hohen Temperaturen große Futtermengen benötigen. Dieses ist speziell
bei weiblichen Tieren zur Laichbildung wichtig.
Unter natürlichen Bedingungen beginnt die Laichsaison im Frühjahr und hält den Sommer über an, wobei es Perioden
mit großer und geringer Laichmenge gibt. Unter Aquarienbedingungen wird eigentlich (>15°C) das ganze Jahr über
gelaicht, wobei auch hier Leichperioden eingelegt werden. Es handelt sich bei allen Arten um Haftlaicher. Die Eiablage erfolgt
bevorzugt in feinfiedrigen Pflanzen (Fadenalgen, Javamoos bzw. Wollmopp). Es wurden jedoch auch Eiablagen an Schwammfiltern, in den
Ecken der Aquarien oder wahllos am Bodengrund beobachtet. Die Entwicklung der Eier dauert, abhängig von der Temperatur, 8 bis
20 Tage. Im Allgemeinem liegen die Jungfische noch ein bis zwei Tage am Boden, bis der Dottersack aufgebraucht ist. Sobald sie frei
schwimmen sind sie in der Lage Artemia-Nauplien zu bewältigen. Bei reichlicher Nahrung sind Jungtiere der Gattung Aphanius
recht schnellwüchsig und nach ca. einem halben Jahr bereits fortpflanzungsfähig. Jungfische der Gattung Valencia wachsen
dagegen recht langsam und benötigen ca. ein Jahr bis zur Geschlechtsreife.
| Wie bereits erwähnt eignen sich Eurasische Killis für eine Freilandhaltung. Dies kann in Gartenteichen bzw. in Aquarien
auf Balkonen etc. erfolgen. Die Freilandhaltung kommt den natürlichen Lebensbedingungen am nächsten. Von Vorteil sind Tag- und Nachtschwankungen der Temperatur, die direkte Sonneneinstrahlung und eine auf Insekten beruhende Futterbasis. Diese Kriterien ermöglichen dem Pfleger den Gewinn optimaler Jungfische. Darüber hinaus lässt die Freilandhaltung Rückschlüsse auf das Verhalten der Fische unter natürlichen Bedingungen zu. Im Teich bilden sich recht schnell Fadenalgenpolster, die an der Oberfläche treiben. Diese Fadenalgenpolster dienen den Fischen oft als Laichsubstrat. Durch die Lage an der Wasseroberfläche werden die Eier optimal mit Sauerstoff versorgt und durch die Sonne erwärmt, so dass die Eientwicklung hier unter idealen Bedingungen abläuft. Nach dem Schlupf bieten diese Algenpolster den Jungfischen Schutz vor Nachstellungen der Alttiere und ausreichend Nahrung während der ersten Lebenstage. Sollen Jungfische im Aquarium aufgezogen werden, können hier recht einfach Eier entnommen werden. |
|
![]() |
Zu sehen gibt es im Gartenteich immer etwas: hier rivalisieren zwei Aphanius mento. Die Freilandhaltung besitzt jedoch auch ihre Tücken und ist mit einem gewissen Aufwand verbunden. Gartenteiche werden je nach Lage auch durch einheimische Tiere als Lebensraum angenommen, was von Vorteil ist, wenn diese Tiere als Nahrung der eingesetzten Killifische dienen. Jedoch können Larven der - zum Glück wieder häufig auftretenden - Edellibellen (Aeschna grandis, Libellula depressa) den Bestand an Jungfischen im Teich reduzieren. Darüber hinaus können Molche als Nahrungskonkurrenten auftreten. Die Larven des Gelbrandkäfers (Dytiscus marginalis) hingegen sind in der Lage den gesamten Fischbestand zu gefährden. Deshalb ist es empfehlenswert die Teiche regelmäßig auf Mitbewohner zu überprüfen und diese in ein natürliches Gewässer umzusetzen. |
| Ein weiterer Umstand, der den Erfolg der Freilandhaltung gefährden kann ist eine Verschlechterung der Wasserqualität durch Niederschlagswasser. Insbesondere in verregneten Sommern können durch den Eintrag von Niederschlagswasser Mineralgehalt und pH-Wert derart reduziert werden, dass die Fische im Teich nicht mehr überleben können, bzw. die verbliebenen Tiere im Herbst aufwendig auf Aquarienmilieu umgestellt werden müssen. Deshalb sollten Härte und pH-Wert regelmäßig überprüft werden und bei Bedarf (Mineralgehalt <10 °dGH, pH<7) das Wasser des Teiches erneuert werden. In wintermilden Gebieten können einige Arten auch im Freiland überwintert werden. Dazu sollte im Herbst das Laub entfernt werden, um Fäulnisprozesse zu vermeiden, die bei einer Eisschicht einen Sauerstoffentzug zur Folge haben, der u. U. die Fische absterben lassen kann. Wichtig ist auch hierbei die Kontrolle der Wasserqualität. Durch Folienzelte, die über den Teich gebaut werden, kann das Kleinklima verbessert und der Eintrag von Niederschlagswasser verhindert werden. Die so überwinterten Tiere haben im kommenden Frühjahr einen guten Laichansatz und bilden somit eine gute Grundlage für weitere Fischgenerationen. | |